Fehmarn (Sommer 2009)

Im Sommer 2009 wollten wir mal einen besonderen Urlaub machen – einen Aktiv-Urlaub. Weit weg wollten wir auch nicht. Also haben wir uns die Sonneninsel Fehmarn ausgesucht. Laut deutschem Wetterdienst war Fehmarn 2008, wie auch schon zuvor, die sonnenreichste Gegend in Deutschland.!!! Im Jahr 2009 erinnerte der reife Weizen an den Sonnenreichtum. Fehmarn liegt in der Ostsee, nicht weit weg von Lübeck und ist schnell zu erreichen. Die Insel ist 185 km² groß und verfügt über rund 78 km Küstenlinie. Da kann man sich im Notfall auch aus dem Weg gehen.

Weizenfeld auf Fehmarn

Thema Aktiv-Urlaub: Na ja eigentlich haben wir erst überlegt, was wir für eine Aktivität gern mal ausprobieren möchten und dann erst das Urlaubsziel. Also Michael und Betina wollten Segeln lernen. Das wollten wir immer schon mal. Segeln kann man unabhängig von irgendwelchen Zipperlein im Bewegungsapparat, sieht gemütlich aus und könnte ja auch eine sportliche Zukunftsperspektive sein:

So im Mittelmeer dahin schippern, tolles Wetter genießen und jeden Abend an einem anderen Hafen ankern. Einfach das Leben genießen. Irgendwann muss man schließlich damit anfangen. Die Kinder hatten selbstverständlich gar keine Lust zum segeln und haben sich entschlossen surfen zu lernen.
In Gold, das ist ein kleiner Ort auf Fehmarn kann man Beides: Segeln und Surfen. Gold ist eigentlich kein Ort, es ist ein Strand mit Segel- und Surfschule, einem netten Café und zwei / drei weiteren Häusern, die Ferienwohnungsgäste beherbergen.
Nicht weit von Gold entfernt liegt Albertsdorf und dort haben wir in der ersten Woche gewohnt. Albertsdorf ist ein hübsches Mini-Dorf mit einer Bäckerei und einem Imbiss. Viel mehr haben wir von Albertsdorf auch gar nicht gesehen. Unsere Wohnung dort war klasse:

Gemütlich, sehr nett eingerichtet und mit Garten. Den allerdings haben wir quasi gar nicht genutzt, weil es die gesamte Woche kalt, windig und regnerisch war. Damit muss man im Sommer an der Ostsee wohl rechnen (obwohl der Sonnenreichtum bescheinigt ist). Aber wir hatten ja etwas zu tun: Segeln und Surfen. Gold ist ein Anfängerrevier. Die Leute in der Schule waren allesamt super nett und freundlich, sodass wir uns wohl fühlten.

Die Kursdauer betrug vier Tage. Jeden Tag hatten wir täglich 2 Stunden Unterricht. Dazu kam noch die Theorie, die wir uns mit Hilfe eines Buches selbst beibringen sollten. Und Morgens sind wir zum Ausgleich gewalkt. Unser Segellehrer versuchte uns das praktische Segeln beizubringen. Wir, das waren fünf Leute: Michael und ich, eine Frau aus Hamburg (ihr Mann hatte ein Boot, sie aber zunächst keine Lust), ein Mann aus Thüringen (wild entschlossen, segeln zu lernen, genau so wie wir) und ein Junge (er wollte segeln, sein Opa ist passionierter Segler und auch seine Mutter kann gut segeln). Gleich am ersten Tag konnten wir nicht ins Boot, weil das Wetter zu stürmisch war und für uns Anfänger zu gefährlich. Windstärke 4. Im Regen haben wir dann Theorie gelernt. Dann endlich am nächsten Tag sollten wir ins Boot: Neo an, ins Wasser, aufs Boot springen und klar machen. Gesagt getan: Einen passenden , hauteng sitzenden, Neoprenanzug zu finden ging ja noch; es gab reichlich Auswahl. Aber diesen dann auch noch anzuziehen, war eine echte Herausforderung. Heimlich hatte ich bereits vorab im Internet ein Video angeschaut. Andere nicht – grins.

Im Boot selbst – Berta hieß unsere Jolle – mussten wir Segel und Fock aufriggen (setzen). Unsere Befehle erhielten wir in einer anderen Sprache – in „segelisch“ – ich verstand fast nur Bahnhof. Endlich ging es los. Steuerruder in die Linke, in der rechten Hand die Schot (Seil), mit dem man das Segel trimmt (Straff zieht). Achtung: Wenns gruselig wird: Ruder halten, Schot loslassen.

Na ja, nach einiger Zeit ging es sogar ein wenig. Theoretisch klasse, praktisch war Micha mir deutlich voraus: Ich hatte nicht das rechts/links Problem wie sonst immer, hier heißt das Backbord und Steuerbord, aber andere Koordinationsschwierigkeiten. Das Ganze war mir einfach viel zu schnell: Theorie, Praxis und dann kam die Prüfung. Eigentlich wollte ich kneifen, aber die anderen haben mich ermutigt. Wir saßen in einem Räumchen, es gab Zettel A und B und unser Segellehrer ging raus. Alle Erwachsenen hatten volle Punktzahl !! Der Junge eine „Nachprüfung“. Als praktische Prüfung sollten wir eine „Mann über Bord-Übung“ absolvieren. Mein armer, in Seenot geratener, zu Rettender hätte nur geringe Überlebenschancen gehabt. Die Boje hab ich erwischt, aber ich stand – mit einem Aufschießer – und hätte die Überreste des „Mannes“ aus dem Wasser fischen können. Micha hat sich deutlich geschickter angestellt.

So zusammen sind wir, glaube ich, ein passables Team. Das haben wir dann auch mal bewiesen, als wir nach dem Kurs einmal allein gesegelt sind. Micha als Kapitän und Betina als Vorschoter (für die Fock verantwortlich) und Besserwisser. Dennoch hat es Spaß gemacht. Wenn man so allein (ohne Lehrer) auf dem Wasser ist, kommen einem schon die ein oder anderen Fragen: So zum Beispiel haben wir jetzt die Lizenz zum Boot ausleihen: Aasee, Möhnesee oder auch Dümmer. Toll. Nur, wie bitte steuert man in die engen Liegeplätze ? Wir hatten unsere Berta ja im offenen Wasser. Leinen los und los. Würden wir mit unserer Präzision an den Binnenseen die Anleger samt Booten alle ruinieren? Das muss also noch einmal geübt werden – alternativ könnte man auch vorzeitig bremsen (Aufschießer fahren) und rein rudern.
Das Surfen fand parallel zu unserem Kurs statt. Damit konnten wir die Kids nicht beobachten. Jan und auch Lisa hat es Spaß gemacht. Jan ein bisschen mehr, denn er ist die zweite Woche mehrfach auf dem Wasser gewesen. Lisa – auch verletzungsbedingt (Knie) etwas weniger.

In der zweiten Woche sind wir nach Klausdorf gezogen. Die Vermieter waren total nett (in Albertsdorf auch), aber die Wohnung war nicht ganz sooooo schön und Klausdorf, das sollte man wissen, ist das Schweinezuchtzentrum der Insel – mit den entsprechend riechenden Ausscheidungen. Die Gegend war jedoch sehr schön. Leicht hügelig (Grundmoräne) mit steinigem Strand und Steilküste.

In dieser zweiten Woche wurde das Wetter etwas sonniger und wärmer, jedoch konnte Micha nur wenig laufen, weil er Fußprobleme hatte (durchs Walken ?). Dazu kam, dass wir ihn auch nicht am Strand sitzen lassen konnten, weil eine Marienkäfer- und Hugoplage das Sitzen und Lesen am Strand verhinderte. Hugos sind Mimikri-Wespen, die zwar nicht stechen, aber beißen, sitzen, kitzeln, schlicht ärgern. Und Marienkäfer in Massen sind auch nicht sonderlich angenehm. Besonders die Gelben mit den schwarzen Punkten beißen.

Es gibt auf Fehmarn verschiedene Strandtypen. Im Norden (kleine) Dünen mit großen Wellen, eher Nordsee-artig, dann gibt es Steilküste (Kliff), mit Steinen, Abbrüchen und Kiefernwald. Steine konnten wir nicht genug sammeln und mit nach Münster nehmen. Eine Auswahl findet sich in unserem Garten.
Zentral gelegen, fast mittig liegt die Hauptstadt Fehmarns: Burg. Hier kann man, wie auch zu Hause gewohnt, einkaufen: Aldi, Edeka. Lidl, Plus und so weiter. Die Innenstadt ist eher übersichtlich und erinnert an die 10-tausenden Camper, die wir meist gut ignorieren konnten. Burg selbst hat nur ca. 6.000 Einwohner. Irgendein zu erwartender Flair hat sich uns nicht gezeigt. Ein Ortsteil Richtung Wasser ist Burgtiefe. Hier hat sich ein Touristenzentrum mit Marine, UBoot, Kletterhalle und Schwimmbad entwickelt. Wir haben uns nur kurz umgesehen.

Dafür waren wir aber im Aquarium. Wir haben schon schönere und größere gesehen, aber immer noch etwas dazugelernt – dieses Mal über Haie.
In Burg gibt es auch ein Infozentrum über die geplante Brücke nach Dänemark. Zurzeit fährt man auf der Vogelfluglinie von Puttgarten nach Rödby mit der Fähre. Das soll sich in wenigen Jahren ändern. Ein Riesen-Bauwerk, eine 20 km lange Brücke, von Puttgarten nach Rödby soll die Fahrtzeiten verkürzen. Dänemark muss dafür ca. 5 Milliarden Euro zahlen. Endfinanzieren werden allerdings die Nutzer die Brücke, denn es soll eine Maut erhoben werden. Die Insulaner freuen sich so gar nicht. Der Vogelflugverkehr, der die Insel auch Heute schon sehr beeinträchtigt, wird mit der Brücke stark zunehmen. Damit wird das Urlaubsziel Fehmarn unattraktiv. Außerdem schlagen die Umweltschützer Alarm. Denn die Brücke wird möglicherweise auch Auswirkungen auf das im Wasser existierende Ökosystem haben. Sicherlich auch auf den Vogelflug.

Ein Ausflug führte uns ins Wasservogelreservat Wallenau, im Westen der Insel. Wir sind durch eine liebevoll präsentierte Ausstellung und durch das NSG gelaufen. Da

bei haben wir uns allerdings gefragt, warum wir nicht des Öfteren in die nur ca. 3 km von uns zu Haus entfernten Rieselfelder (in Münster) besuchen. Unser Votum: die Ausstellung ist in Wallenau eindeutig schöner.
Sehr schön ist die Gegend um Katharinenhof. Am fast menschenleeren Strand kann man über Findlinge klettern oder einfach nur sein und in einem Cafe mit leckeren Windbeuteln und Waffeln verbingen.

Gleich am ersten Tag haben wir den Bürgerbus Fehmarn gefunden. Er fährt Kleeblatt-artig Tag für Tag eine andere Strecke über die Insel und ist laut ehrenamtlichem Fahrer, den wir angetroffen haben, gut ausgelastet.
Auf der Rückfahrt haben wir noch einige Abstecher unternommen.

Zunächst waren wir in Wismar zum Kaffeetrinken. Neben der schön restaurierten Innenstadt, gibt es auch Verfallenes und liebevoll dekorierte Gemäuer.

Von Wismar aus sind wir nach Rostock gefahren. Dort wollten wir zwei Nächte bleiben

Dazu haben wir im Jugendgästeschiff Maxim Gorki (Jugendherberge) übernachtet. Leider war es laut und schmutzig und es roch auch entsprechend muffig, sodass wir dort nur eine Nacht verbracht haben. Der Nachmittag und Abend in Rostock selbst war OK, eine nette Stadt mit nettem Hafen und leckerer Pizza, aber eine weitere Nacht auf dem Schiff hätte ich nicht ausgehalten. Nach einem Frühstück – das war OK – und ohne zu duschen sind wir nach Warnemünde gefahren.

Warnemünde das Ostseebad vor den Toren Rostocks. Das Städtchen selbst ist ganz lauschig, der Strandbereich eher etwas sehr belebt. Wir sind dort herum gelaufen und auch quf den Leuchtturm gestiegen.

Nach einer ausgedehnten Pause in Lübeck sind wir schließlich nach Hause gefahren Lübeck selbst ist eine nette Stadt und kann sicherlich noch ein weiteres Mal besucht werden.
Fazit: Für einen Urlaub zum Segeln und Surfen lernen ist Fehmarn ganz gut geeignet. Dennoch, insbesondere aufgrund des unbeständigen Wetters und des für uns nicht ganz so tollen Inselambiente wird es nicht unsere Lieblingsinsel.


Text und Fotos: (c) 2010 Betina und Michael Loddenkemper

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