Comer See (Herbst 2010)

Comer See

Unser Herbsturlaub führte uns nach Italien. Im Juni 2010 hatte Betina mal wieder bei Ryanair einen günstigen Flug gebucht.
Für die Herbstferien ein paar Tage raus aus der Kälte, dem Regen und dem Alltagstrott entfliehen: Italien.
Unser Flug: Bremen – Bergamo. Nur fünf Tage sollten es sein.
Wo wohnen? Was unternehmen?
Nach einigem hin und her entschieden wir (Michael und Betina) uns für eine Wohnung am Comer See. Von dort aus könnte man sowohl nach Mailand fahren als auch in den Bergen wandern oder einfach am See sein.
Ein Auto wurde dazu gebucht, damit wir auch mobil waren: Ein Fiat Panda. Keine Gartensitze mehr, nicht ganz so unbequem wie früher und erstaunlich geräumig.

Unsere Anreise begann in den frühen Morgenstunden. Nach Bremen, dort parken, Gepäck abgeben, einchecken und fliegen. Um 9.30 waren wir bereits in Bergamo gelandet.

Straße in Bergamo

Leider war es statt der erträumten 20 °C bei Sonnenschein, regnerisch und kühl. Dennoch liefen wir bis zum Nachmittag in Bergamo herum und schauten uns einfach die „alten Gemäuer“ an.

Die Gassen waren dicht mit Touristen besiedelt, ein Zeichen, dass man mal in Bergamo gewesen sein sollte. Sogar die meisten Läden hatten geöffnet. Wir fühlten uns so richtig südländisch, wie auch die Bilder zeigen.
Auch der Kaffee war italienisch: kräftig und schwarz: Espresso oder mit geschäumter Milch Cappuccino – und teuer. Wie in Spanien gibt es auch in Italien unterschiedliche Preise: an der Bar / Theke günstig, im Gastraum teuer. Die Terrasse haben wir aus klimatischen Gründen gar nicht probiert.
Zu Besichtigen hatten wir gar nichts. Leider war Sonntag und die Kirchen bis auf die Messen geschlossen – schade. Dennoch wagten wir einen Blick. Museen und Galerien fand unser Nachwuchs nicht sonderlich spannend.

Funicolare

Funicolare

Mit einer Zahnradbahn fuhren wir in die „Cita alta“ und noch weiter höher zur Burgruine. Die Zahnradbahn (Funicolare) hat schon einen gewissen Scharm. Häufig findet man so was ja nicht. Eine vergleichbare Bahn kennen wir nur aus Oslo.

Gasse in der Oberstadt

Kieselpflaster

Die alten Gassen in der Cita alta waren auch bei Regen recht schön anzusehen. Typisch für Bergamo scheint auch die Kieselplasterung zu sein.
Geparkt hatten wir in einer Tiefgarage, in Sichtweite des Wächters – damit dem Auto auch wirklich nix passiert.
Am Nachmittag entschlossen wir uns zur Weiterfahrt an den Comer See. Bis auf den Nieselregen war es richtig schön: Italienische Musik im Auto, eine traumhafte Bergkulisse, kleinere Ortschaften am Wegesrand und immer wieder Ausblicke auf den Comer See.
Nachdem wir in einem Einkaufszentrum das Nötigste eingekauft hatten fuhren wir nach Domaso in unsere Ferienwohnung.
Klein, spartanisch eingerichtet, aber sauber, die Betten OK, das Fernsehen italienisch. Im Nachgang ganz ordentlich. Die FeWo lag auf einem Schwemmland-Bereich, direkt am Comer See. In Nachbarschaft vieler Campingplätze, anderer Ferienwohnungen, Wohnwagen-Dauercampern, Surfschulen, Segelangeboten und Pools. Gut, dass die Saison bereits beendet war und die allermeisten Campingplätze und Häuser geschlossen hatten. Auch wurde kein Wassersport mehr angeboten. Keine Ahnung – ich will es besser auch nicht wissen – wie laut und rummelig es dort im Sommer zugeht.

Comer See bei Domaso

Nachdem wir unsere Wohnung bezogen hatten, sind wir an den Strand gegangen um etwas spazieren zu gehen und danach eine Pizza zu essen. Der Strand war, na ja nur etwa 10 Meter breit und grob-sandig, kiesig und mit Rasen bewachsen. Nicht auszudenken, wie eng es dort sein würde, wäre Hochsaison. Jetzt war es beschaulich ruhig und auch die Sonne ließ sich hier und da mal blicken. Gleich das erste Restaurant sah gut aus und wir bestellten Pizza für Alle. Die war lecker und schon fast zu vergleichen mit unserer Lieblingspizzaria in Münster – sollte Italien sich mit uns versöhnen?
Vier Tage blieben uns für Unternehmungen und dann würde es wieder mit dem Frühflieger nach Bremen und von dort aus nach Hause gehen.

Blick auf den Comer See

Tag 1: Spazieren gehen und in Menaggio Eis essen, strahlender Himmel, herbstlich warm.
Bei Google Earth hatten wir nicht weit von Domaso Fotos von einem Wasserfall entdeckt und da wollten wir gern hin um ein wenig zu laufen. Zunächst fuhren wir den Hang in steilen Kehren (Tornante) und Kurven hinauf bis zu einem Parkplatz in der Ortschaft Livo. Von dort aus liefen wir ca. eine Stunde wenige Höhenmeter mal bergan, mal bergab einen lichten aber bewaldeten Naturfahrweg entlang.

Blick auf Berge

Wir liefen vorbei an verlassenen verfallenen Gehöften und konnten auch in der Ferne am Berg Siedlungen, die uns verlassen erschienen ausmachen.

Blick auf Berge

Hier rund da gab es schöne Ausblicke, bis wir tatsächlich die Cascata Torrente Barres tief unter uns sahen.

Wasserfall

Nach einem gebührenden Fotostopp, der Torrente lag im herbstlichen Sonnenlicht, spazierten wir noch ein wenig weiter bis zur Grotto Dangri Livio. Grotto Dangri war bewirtschaftete Hütte. Nicht nur eine Hütte war dort, eine ganze Ansammlung von Häusern, von denen eines als Cafe/Restaurant fungierte, fanden wir dort. Zunächst liefen wir weiter. Nachdem wir eine Natursteinbrücke überquert hatten, ging es ein paar Kehren im lichten Ess-Kastanienwald weiter aufwärts.

Kapelle

Dort stand eine Kapelle, die leider geschlossen hatte. Von dort stiegen wir wieder ab. Lisa ist erst gar nicht bis dorthin gegangen und Jan wollte auch zurück. Auf dem Rückweg sammelten wir Maronen auf.

Marone

Pieksige Hüllen mussten erst entfernt werden und dann kamen die Maronen zum Vorschein. Nachdem wir genug hatten gingen wir in die Grotte und tranken etwas.
Wieder am Auto fuhren wir noch ein paar Kilometer nach Menaggio. Menaggio, ein traumhaft schönes kleines Städtchen See. Wir fanden eine Eisdiele und aßen das Eis auf einer Bank an der gepflegten Promenade.
Wieder in der Wohnung lief Betina los, um Domaso zu entdecken und herauszufinden, wann die Fähren nach Bellagio fuhren. Leider sind italienische Städte zu Fußgängern eher unfreundlich: keine Bürgersteige. Außer der Kirche gab es nichts wesentlich es zu entdecken. Zum großen Leidwesen fuhr die Fähre morgens so gegen 7 Uhr und dann erst wieder um 14.00 Uhr. Aber die sollte es dann am folgenden Tag sein.

Fahrt über den Comer See

Tag 2: Fährfahrt nach Bellagio bei strahlendem Himmel und herbstlicher Wärme
Zuvor erkundeten wir den Bahnhof von Colico, denn von dort wollten wir am folgenden Tag nach Mailand fahren und fuhren bei Gera Lano ein paar Kehren den Berg hinauf. Die Kehren und Straßen zu befahren ist sehr abenteuerlich und bei Gegenverkehr auch mal recht eng. Dafür kann man den Blick auf den See und die Bergwelt genießen. Nach jeder Kehre aus einer leicht anderen Perspektive. Die schroffen Gipfel waren alle schon mit Schnee bedeckt, denn es hatte vor unserer Ankunft oben in den Bergen geschneit. Zu Fuß gingen wir pünktlich zur Fähre und fuhren mit dem Schnellboot und vielen Stopps ca. eine ½ Stunde bis Bellagio.

Bellagio

In Bellagio, Bella heißt schön, teilt sich der Comer See. Ein „Zweig“ endet in Lecco und der andere in Como. Bellagio ist ein ursprüngliches Örtchen direkt am See. Neben einer Promenade kann man Gässchen hinauf laufen und Blicke nach unten genießen.

Bellagio

Der Ort selbst ist sehr touristisch geprägt und mondän. Große Cafes an der Strandpromenade vermitteln den Eindruck, dass es auch in Bellagio bessere Zeiten gab. Der Charme oder Mief der 50ger Jahre ist in den Gardinen und den Möbeln dieser Kaffees zu finden.

Bellagio

Milano

Tag 3: Fahrt nach Mailand: Zug, Sonne, Mailand
Fast pünktlich fährt der Zug von Colico nach Mailand. Eng entlang des Comer Sees und durch unzählige Tunnel geht es zügig der Metropole entgegen. Nach grob 1 ½ Stunden erreichen wir Mailand. Glücklicherweise konnten wir mit unserem für deutsche DB-Verhältnisse presigünstigen Zug-Ticket auch noch die U-Bahn nutzen. Noch drei Station mit der Mailänder Metro und schon werden wir aus dem Untergrund direkt ins historische Herz von Mailand „gespuckt“. Zuerst orientieren wir uns kurz, dann gehen wir schnurstracks in den Mailänder Dom.

40.000 Menschen passen in die Kirche. Il Duomo di Santa Maria Nascente ist das unverkennbare Wahrzeichen Mailands. 1386 wurde der Dombau begonnen. Fünf Jahrhunderte brauchten die Baumeister und all die Handwerker, Arbeiter und Künstler um ihn zu gestalten. Tausende Menschen schleppten Mamor aus allen Teilen Italiens an und verbauten ihn. Imposant.
Der Duomo ist länger und breiter als der Kölner Dom, allerdings hat er keinen so hohen Turm (107 m zu 157 m)

Milano

Der Platz vor dem Dom ist von Straßenverkäufern und Gruppen von Touristen gesäumt.

la Galleria de Vittorio Emanuele

Nach dem Dom sind wir durch die überdachte Einkaufsmeile Mailands, die la Galleria de Vittorio Emanuele geschlendert, haben die Mailänder Skala gesucht und gefunden, sind durch Einkaufsstraßen der mittleren und gehobenen Klasse gelaufen, haben uns die Nasen an Schaufenstern plattgedrückt, sind durch den im Park des Naturkundemuseums geschlendert, haben gesessen und unseren (bislang) teuersten Kaffee im Leben getrunken. Bei dem Preis kann man nicht von genießen sprechen. 21 € für 1 Espresso, 1 Cappuchino, 1 Cola und ein Mineralwasser. Nein nicht Kistenweise, sondern im Gläschen bzw. in einer normal großen Flasche. Mailand ist einfach teuer, das weiß man. Daher waren wir auch nicht in Läden drin und haben Mailand nur als Beobachter besucht.

Mailänder Scala

Lisa hat dann doch noch etwas kaufen müssen, eine Mailand Tasche und Gummi-Armbänder in Form von Engeln, Sternschnuppen, Hufeisen, Stiefeln und so weiter. Am späten Nachmittag waren wir wieder zu Haus. Gut so. Wer braucht all die teuren und nicht immer, im normalen Leben anziehbaren Kleidungsstücke. Wir jedenfalls nicht.

Blick auf den Lago di Mezolla

Tag 4: Wandern von Dascio aus über dem Lago de Mezzola war bei strahlendem Wetter wieder angesagt
Dascio ist ein kleiner Ort, der einfach vergessen wurde. Nördlich des Comer Sees gibt es weitere zwei Seen einen kleinen und einen größeren. Den kleineren und größeren Mezzola See. Dascio, ein kleiner, malerischer ehemaliger Fischerort, war Ausgangspunkt unserer Wanderung. Entlang eines breiten gut angelegten Weges liefen wir zwischen einhundert und zweihundert Meter über dem See Richtung Norden. Auch hier sahen wir verlassene Gehöfte, daneben aber auch gut gepflegte Häuschen. Neben dem schon bekannten lichten Wald mit Birken und Eßkastanien konnten wir über warme Felsen klettern, Salamander und sogar eine Schlange sehen. Diese war naturfarben, wie eine Viper gezeichnet und gar nicht groß. Die Schlange kroch einem warmen Fels entlang, hob ihren Oberkörper zum Kampf und fiel in eine Spalte, bevor wir sie näher beobachten konnten – schade. Dennoch waren wir etwas vorsichtiger anschließend. Nach einer Weile des Wanderns ohne ein Ziel zu erreichen machten wir eine Wende und liefen zurück. Auf dem Rückweg sammelten wir wieder Eßkastanien – Maronen – von denen wir einige mit nach Münster gebracht haben.

Ziege

Am Freitag sind wir wieder ganz früh aufgebrochen und zum Flughafen gefahren. Dann ging alles wieder ganz schnell. Einchecken, Sitzplatz suchen und ab nach Hause. Ohne einen Zwischenstopp in Bremen sind wir mittags schon wieder in Münster gewesen. Gut so: Lisas Hamster war erkrankt und musste sofort zum Tierarzt.

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