Lanzarote (2015)

Lanzarote: Vulkangebirge – noch nicht erloschen
Lanzarote: Halbwüste – im März 2015 kühl, bedeckt, regnerisch und sehr windig

Karte mit Startpunkten zu den Wanderungen, unsere Ferienwohung und einige ausgewählte für uns interessante Punkte.

Lanzarote
Hin und her
Nach einer frühmorgendlichen Höllenfahrt – wir haben den gesamten Weg zum Flughafen Weeze über Nebel mit einer Sichtweite zwischen 30 und 100 Metern – erreichen wir den Flughafen Weeze. Die Temperatur liegt knapp über dem Gefrierpunkt. Den Flug nach Lanzarote schaffen wir „just in time“. Na ja ganz knapp ist es nicht, allerdings müssen wir nirgendwo warten und hinsetzen brauchen wir uns auch nicht. Lediglich wie immer Schlange stehen und an Bord gehen. Pünktlich und ohne Probleme erreichen wir Lanzarote gegen Mittag. Gepäck und Auto, einen Opel Corsa, abholen. Überraschung: Es ist gar nicht so warm auf Lanzarote. Rund 15 Minuten sind wir in unserer Ferienwohnung in La Asomada. La Asomada, ist ein kleines Dorf am Osthang der jungen Vulkane am Rande des Timanfaya National Parks. Manuela, unsere Vermieterin, wohnt auch im selben Haus, wir quasi unter ihrem Swimmingpool. Unsere tolle Wohnung besteht aus einem Badezimmer, einem Wohnbereich mit Küche, Eßtisch und Wohnzimmer, dazwischen einem Schlafzimmer und natürlich einem schönen Garten. Holzdeck mit Whirlpool, Sitzmöglichkeiten, dazu einen Garten voller Lavaskies mit Sukkulenten, Palmen und einer Kunstrasenfläche (normalerweise ist es sehr trocken und Kunstrasen ist recht anspruchslos).

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Auch die Rückfahrt besser der Rückflug ist in Ordnung, aber überschattet durch den Flugzeugabsturz des German Wing Flugs Barcelona – Düsseldorf wenige Tage zuvor. In Weeze angekommen, merken wir, dass es doch noch kühler geht als auf Lanzarote.

Lanzarote – die Halbwüste
Insel des ewigen Frühlings, ausgeglichene und angenehme Temperaturen, geringe Niederschläge, das wird versprochen – erlebt haben wir kühle Temperaturen und etwas Regen. Dieses Wetter hält sich, so unsere Vermieterin bereits hartnäckig seit November. Sehr ungewöhnlich. Wir haben auch mal Sonnenschein, Temperaturen tagsüber zwischen 12° und 18° C. Täglich regnete es, zwar nicht viel und nicht stundenlang, aber es regnete. Dazu weht beharrlich der aus Norden kommende Passatwind. Da wir aber eher Wandern möchten und die Wassertemperaturen eh noch zu kalt sind, kommt uns das ungewöhnliche Wetter gerade recht. Zudem präsentiert sich die Insel noch nicht vertrocknet, sondern blühend wie ein botanischer Garten. Das ist für Lanzarote eher selten. Die gesamte Insel ist ein reines Farbenmeer. Hier gibt es viele grüne, braune, gelb Töne, leuchtend hinter schwarzem Lavagestein, dazu bunte Blumenwiesen.
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Lanzarote – Insel der Vulkane
So richtig aktive Vulkane, wie den Vesuv oder den Ätna, gibt es auf Lanzarote nicht; aber so ganz erloschen sind die Vulkane auch noch nicht. Die Hitze der Erde ist noch zu spüren: Im Nationalpark gibt es Vorführungen, Stroh wird in einem Erdloch entfacht oder ein (künstlicher) Geysier spuckt Wasserdampf empor. Dort gibt es über einer Spalte auch einen Naturgrill.
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Die nördlichste und östlichste Kanareninsel ist nicht sonderlich groß und auch nicht besonders hoch. Von Nord nach Süd sind es rund 60 Kilometer und die Ost-West-Ausdehnung an der breitesten Stelle ca. 35 Kilometer. Die höchste Erhebung befindet sich mit ca. 670 m im Famara-Massiv. Die Küste besteht zum überwiegenden Teil aus Felsküste, nur ein kleiner Teil ist Kies- und Sandstrand. Dabei gibt es schwarzen Lava- und hellen Sandstrand. Die Insel ist, wie alle Kanareninseln, durch vulkanische Aktivitäten entstanden. Alle sieben Inseln liegen über einem Hotspot auf der afrikanischen Platte. Die Platte bewegt sich nach und nach mit einer Geschwindigkeit von gut einem cm nach Nordosten. Daher sind alle kanarischen Inseln unterschiedlich alt. Den letzten Vulkanausbruch auf den Kanaren gab es 1971 auf La Palma (Teneguía). Seit 2011 entsteht südlich der Insel El Hierro ein neuer Vulkan – noch unterseeisch, allerdings erreichen die Auswürfe bereits die Meeresoberfläche.
Zurück zu Lanzarote: Auf der Insel gibt es zwei Gebirgszüge. Im Norden das Famara-Massiv. Südlich des Famara-Massivs schließt sich die Sandwüste El Jable an. Weiter im Süden, der dicksten Stelle der Insel, breiten sich die Feuerberge (Montañas del Fuego) aus. Dort befindet sich auch der Timafaya-Nationalpark.
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Lanzarote ist in mehreren vulkanischen Phasen entstanden. Die jüngsten Eruptionen gab es im Timafayagebiet zuletzt zwischen 1730 und 1736 und später noch einmal 1824. Über die gesamte Insel verstreut gibt es einige Vulkankegel, Calderen und Lavaflächen zu bestaunen. Den Nationalpark darf man nicht auf eigene Faust besichtigen. Möglich sind geführte Wanderungen, Touristen-Bustouren oder Dromedarritte. Wir haben uns für eine Wanderung und die Bustour entschieden. Rund eine Stunde sind wir mit dem Bus durch die „Mondlandschaften“ gefahren, ein Casettenrecorder erläuterte den Vulkanismus abwechselnd auf Spanisch, Englisch und Deutsch. Die Mondlandungen Ende der 60er Jahre wurde übrigens im Timafaya-Gebiet geübt.
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Los Verdes – die Grünen – meint nicht etwa die Partei, sondern ein Höhlensystem, den „Tunel, formacion geologico“, der vulkanischen Ursprungs ist und sich im Norden der Insel befindet. Der Familienname der Besitzer lautet Verde. Die Besichtigung ist nur mit Führung möglich aber durchaus lohnenswert. Der Lavatunnel ist nur wenige hundert Meter zugänglich, reicht aber vom Monte Corona bis zum Meer; der Ausgang ist unterseeisch.
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An der Strasse LZ-404 zwischen Teseguite und LZ-1 befindet sich ein Erosionsgebiet. Hier kann man die verschiedenen Vulkanischen Ablagerungen sehr schön erkennnen.
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Bei El Golfo im Süden gibt es noch eine vulkanische Besonderheit, die grüne Lagune. Ein Kratersee, fast auf Meeresniveau. Der See ist auf der einen Seite von Vulkanflanken umgeben und auf der anderen Seite durch schwarzen Lavasandstrand von den mächtigen Wellen getrennt. Das besondere ist die Farbe des Sees: er ist grün – richtig giftgrün.
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Ein weiteres schönes Farbenspiel zeigen die Salzgewinnungsflächen (Salinas de Janubio) bei La Hoya.
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Lanzarote – Manrique Kultur
Auf der Insel haben viele Künstler gelebt, einer hat die Insel jedoch geprägt: César Manrique 1919 -1992 war ein Alleskönner: Architekt, Bildhauer, Maler, Umweltschützer und auch Stadtplaner. Nach Studium und Auslandsaufenthalten setzte er eine Gestaltungssatzung durch, die heute noch nachwirkt. Die Häuser sind fast ohne Ausnahme weiß oder aus Lavagestein – eben die traditionelle Bauweise Lanzarotes – der lanzarotische Architekturstil. Zudem gibt es grüne oder braune Tür- und Fensterumrandungen. Die Gebäude sind nicht mehr als zweistöckig. Zudem gibt es keine Werbeplakate auf den Straßen.
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Die Regierung hat dies 1968 beschlossen. Um dies alles durch- bzw. umzusetzen überzeugte Manrique die Bevölkerung. Nur ein einziges Bauwerk steht als Solitär am Strand von Arrecife – ein 10 stöckiges Hotel, hässlich und unpassend. Manrique vermachte der Insel diverse Monumente auf Kreisverkehren, Häuser und alle möglichen Kunstwerke. Auch den Massentourismus lenkte er in vernünftige Bahnen. Das Lebenswerk soll auch nach seinem Tod erhalten bleiben. So hat sich die Inselregierung entschieden, den Weg Manriques zukünftig weiterzugehen. Wir haben uns verschiedene Kunstwerke angesehen:

  • Monumento de Campesino (Denkmal für die Bauern) im Zentrum der Insel samt Casa Museo del Campesino. In unterschiedlichen Räumen kann man Handwerksgegenstände ansehen.
  • Taro de Tahíche (ein in fünf Lavablasen erbautes Wohnhaus) mit der Fundacion Cesar Manrique (Kunststiftung). Dort werden etliche Kunstwerke von Manriqe und anderen gezeigt.
  • Sein letztes zu Hause, ein Bauernhaus in Haria.
  • Mirador del Río, ein supermoderner (in den 70ern) architektonisch reizvoller Aussichtspunkt im Norden (u.a. hier wurde Ende der 1970er Jahre Timm Thaler gedreht).
  • Jameos del Aqua, eine Lavagrotte samt Lagune mit kleinen blinden Albinokrebsen. Auf dem Areal gibt es in einer Lavahöhle einen Konzertsaal
  • Jardin de Cactus (Kakteengarten), innerhalb eines aufgelassenen Steinbruchs
  • El Diablo (Restaurant im Nationalpark Timanfaya). Hier gibt es einen Grillplatz über einer Vulkankluft.
  • Museo Internacional de Arte Contemporaneo (Museum der zeitgenössischen Kunst), welches in einer alten Burg untergebracht ist, dem Castillo de San José.
  • Sowie diverse Windspiele auf Kreisverkehren.

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Lanzarote – unsere Wanderungen
Bei den Angaben der Gehzeiten handelt es sich in der Tat um reine Gehzeiten. Fotostopps oder Pausen sind nicht mit eingerechnet.
Freitag, „Montana del Cuervo“ entpuppt sich als erstes Highlight. Die kleine Wanderung führt uns rund um einen Vulkan, dabei haben wir auch einen Einblick in den Krater. (Angabe laut Wanderführer ca. 1 Stunde, keine Höhenmeter). Der Weg ist super gut ausgebaut und Infotafeln erläuteren die Geschichte des jüngeren Vulkanismus auf Lanzarote – mit EU Mitteln finanziert.
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Am Samstag gehen wir zum „Wellenstrand“ – Playa de Famara im Norden der Insel, um dort eine Wanderung zu unternehmen. Die Wanderung führe uns hangparallel auf einem Natursteinfahrweg bis zu einem Kliff. Unten eine fantastische Brandung, oben gelegentlich Paraglider. Nach und nach wird die Brandung stärker und der Weg schmaler. An der Casa del aqua kehren ir wieder um. Zurück laufen wir auf einem Fahrweg, in den Dünen, im Sand und auf runden Lavakieseln nah am Meer. (Angabe laut Wanderführer ca. 2,30 Stunden, unbedeutende Höhenmeter)
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Sonntag: Im Norden der Insel bei Ye gibt es einen Bilderbuchvulkan, den Monte Corona. Von der Ortschaft läuft man an landwirtschaftliche Flächen vobei. Der Weg steigt sanft in Richtung Krater. Dabei sind verfallene Trockenmauern zu überqueren. Oben angekommen haben wir einen fantastischen Blick in den Krater. Mutige können entlang des Kraterrands weiter nach oben steigen und den Ausblick genießen. Der Rückweg führt auf einen steinigen steilen Pfad schnell zurück zum Ort. (Angabe laut Wanderführer ca. 1,30 Stunden, 220 Höhenmeter)
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Montag: Unsere Wanderung ist aufgrund Regen und Gewitterwarnung abgesagt worden. Eigentlich wollten wir mit einem Nationalpark-Ranger den vulkanischen Lehrpfad Termesana laufen. Also Wanderpause – stattdessen Besichtigungen und Rundfahrt mit dem Auto.
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Dienstag bechen wir zu einer neuen Wanderung auf: Zu den Vulkanbergen bei Mancha Blanca. Die Rundwanderung führt uns um mehrere ehemalige Vulkane herum: Montana Tigustton, Montania Ortiz, Caldera Colorada, Caldera Santa Catalina, Montana de los Roderos, Montana de los Rostros und Montana de Cortijo. Faszinierend ist, dass der Weg uns fast die gesamte Zeit durch karge unbepflanzte aufgetürmte Lava führt. Vulkanische Bomben, Stricklava, scharfkantige Brockenlava und Tuffbrösel in unterschiedlichen Farten von gelb bis rubinrot begleiten uns. Das Gebiet heißt auf spanisch malpais – schlechtes Land. Die Bodenbildung hat noch nicht begonnen; es wachsen nur Flechten und Moose und hin und wieder ein verirrtes Pflänzchen. Die Urgewalten sind hier allgegenwärtig. (Angabe laut Wanderführer ca. 2,40 Stunden, unbedeutende Höhenmeter)
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Mittwoch: Ganz in der Nähe der letzten Wanderung laufen wir am Mittwoch rund um die Caldera Blanca. Die Farbe weiß stammt von einer Kalkkruste. Der Vulkan ist bereits von weitem erkennbar, neben den roten, schwarzen und ockerfarbenen jüngeren Vulkanen hebt er sich deutlich ab Die Caldera selbst ist riesig. Regenwasser, welches sich die Flanken entlang den Weg nach unten bahnt, sorgt für reichlich buschige Vegetation. Dort unten grasen Ziegen – übrigens die einzigen, die wir in freier Wildbahn gesehen haben. Die anderen waren in einer Art Massentierhaltung in engen Pferchen untergebracht. Ursprünglich wollten wir auf dem Kraterrand den Vulkan umrunden, aufgrund des sehr starken Windes und meiner nicht allzu guten Trittsicherheit haben wir es gelassen. An einigen Anstiegen zum Kraterrand habe ich mich ein wenig an die Alpen erinnert. (Angabe laut Wanderführer ca. 3,10 Stunden, jeweils 350 Höhenmeter)
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Donnerstag: Die letzte Wanderung führt uns wieder in den Norden nach Haria. Dort sind wir zu zwei Aussichtspunkten gelaufen und schauen von ganz oben auf den Wellenstrand unserer zweiten Wanderung. Haria ist der Ort der 1000 Palmen und ganz versteckt duckten sich auch einige wenige Kiefern. Die artenreiche Vegetation lässt uns an an den Kanarenbereich im Botanischen Garten in Münster denken. Zudem gibt es hier auch etwas Landwirtschaft: Mais, Zwiebeln, Erbsen und Kartoffeln wachsen hier auf den kargen Böden. Haria selbst ist ein kleiner Ort, der vielfältiges Kunsthandwerk bietet. (Angabe laut Wanderführer ca. 2,30 Stunden, jeweils 300 Höhenmeter)

Mehr Fotos gibt es unter Lanzarote 2015.