Fahrradtour Marburg-Münster

Von Marburg nach Münster über Winterberg
Lahntal

Hier der Link auf den Radroutenplaner NRW mit der Route.
Hoehenprofil

Tourlänge: ………………..  ………. 241,4 km
Höhe Marburg: ……………….. ………. 186 m
Höhe Münster: ………………..  ………. 57 m
Höhchster Punkt Winterberg: ……………….. ………. 690 m
Tiefster Punkt Münster: ……………….. ………. 52 m
Höhendifferenz: ……………….. ………. 638 m
Aufstieg: ……………….. ………. 1.117 m
Abstieg: ……………….. ………. 1.246 m

Donnerstag 16.07.2015:

Um 5.30 Uhr klingelt der Wecker. Aufstehzeit. Morgenroutine. Und dann geht es los. Sogar Jan ist aufgestanden um Tschüss zu sagen. Gepackt, geplant und besprochen hatten wir alles am Vortag. Überlegt bereits vor Jahren. Leichte Schwüle, 21° C. Die Straßen sind noch vom nächtlichen Regen nass, Pfützen auf dem Asphalt. Schon auf dem Weg merken wir die Schwere des Gepäcks.

Tickets gekauft für 107 Euro, die Treppen zum Bahnsteig hoch und nur noch einsteigen. Der Zug fährt pünktlich los. Die Zugbegleiterin stutzte bei unserem Ticket und rechnete; wir hatten zu viel gezahlt. Mit dem 2 Stunden Ticket NRW, dem NRW Radtarif und dem Hessen-Ticket hätten wir locker 30 Euro sparen können. Passiert. Anfangs fahren wir auch mit dem Zug unsere Strecke entlang. Hiltrup, Rinkerode, Drensteinfurt, Hamm.

Dann fährt der Zug weiter in eine andere Richtung. Nach zwei Stunden kommen wir in Warburg an, steigen in den nächsten Zug bis Kassel-Wilhelmshöhe. Leider müssen wir die Räder einige Stufen hoch tragen und im Zug stehen. In Wilhelmshöhe warten wir auf den letzten Zug auf unserer Reise. Micha fällt auf, dass seine Lenkstange wackelt. Eine Reparatur muss sein. Der Zug fährt pünktlich um 11:33 Uhr in Marburg ein.

Ankommen, aussteigen. Hier ist das Thermometer schon über 30° C geklettert und es ist schwül. Einbahnstraßengewimmel direkt vor dem Bahnhof. Die Radrouten-Beschilderung ist nicht rot (NRW), sondern grün (Hessen). Also ist die Beschilderung wohl Ländersache. Vor dem Kaffee treffe ich auf meine Mutter. Micha fährt zu einem Radladen. Drinnen treffen wir uns bei Kaffee Brötchen oder Kuchen. Meiner Mutter ist es viel zu warm. Uns auch, aber wir hoffen auf den Fahrtwind.

Etappe 1:
Von Marburg nach Hallenberg-Liesen, 53 km, längste Steigung von 280 m bis 460 m am Stück (180 m), insgesamt 630 Höhenmeter, geplante Zeit laut Routenplaner bei 12 km/h 4:30 h (12 km/h hatte ich vorab für möglich gehalten).
Um 13.15 Uhr sind wir auf dem Rad. Danke an den netten Radladen an der Bahnhofstraße, der das Rad auf die Schnelle sorgfältig reparierte.

Die ersten Meter aus Marburg heraus müssen wir uns etwas konzentrieren um das hessische Radroutensystem zu verstehen. Der Weg verläuft an der Hauptstraße entlang. Hinter Cölbe biegen wir dann in die Lahnaue ab. Immer leichten Gegenwind und Fahrtwind. Stetig fahren wir leicht bergan. Die uns von den Autofahrten bekannten Ortschaften lernen wir neu kennen, da wir nicht über Hauptstraßen, sondern über Nebenwege geführt werden. Es zeigen sich nette und herausgeputzte Häuser und Gassen. Gar nicht so vom Staub der Bundesstraße gezeichnet: Sarnau, Niederwetter, Wetter, Todenhausen, die drei Simtshausen (Unter,- Mittel- und Obersimtshausen) und Münchhausen. Hier trennt sich unsere Radroute von der Autoroute.

Wir fahren weiter Richtung Burgwald. Die Landschaft ändert sich. Es wird hügeliger und somit wird unser Weg steiler. Wir passieren Ernsthausen, Wiesenfeld und Birkenbring-hausen. Hier haben wir unsere erste ernstzunehmende Steigung gemeistert. In Röddenau holen wir uns eine süße Verpflegung. Leider können wir Cafe im Ort finden, sodass wir auf einer Bank im Schatten unsere erste längere Pause verbringen. Zwischendurch trinken wir hin und wieder immer etwas Wasser. Bislang sind wir sehr zufrieden. Es sind kaum PKW unterwegs, die Steigungen sind OK, die Strecke schön. Hinter Röddenau ändert sich das leider. Wir müssen bis Hallenberg auf der Hauptstraße fahren, 13 km ohne Schutzstreifen, erst 180 m Steigung, dann 110 m steil runter. Feierabendzeit und viele mit Holz beladene LKW sorgen für einen gewissen Nervenkitzel. Geschafft. In Hallenberg geht es dann wieder auf einen geführten Radweg. Kurz vor unserem Etappenziel müssen wir für ein paar Meter eine sehr steile Steigung hoch. Absteigen, schieben. Ankommen in Liesen. Unser Schnitt: rund 14,3 km/h und damit sind wir schneller als gedacht.

Unsere Pension (Haus zur schönen Aussicht) ist sehr nett gelegen. Das Zimmer in Ordnung und sauber. Duschen, umziehen und wieder aufs Rad zum Abendessen.
Hallenberg
In Hallenberg, das Städtchen liegt wieder auf unserer PKW Route, haben wir an der Hauptstraße ein Restaurant gefunden (Hotel Sauerländer Hof) und ausgiebig isotonische Flüssigkeiten zu uns genommen und sehr lecker gegessen. Beim Einparken unserer Fahrräder haben wir im Nachbargarten unserer Pension Alpakas entdeckt.

Etappe 2, Freitag 17.07.2015:
Von Hallenberg-Liesen bis Neheim, über 95 km, längste Steigung am Stück, rund 230 m (Züschen bis Winterberg), insgesamt 777 Höhenmeter, 6,5 Stunden bei 15 km/h reine Fahrtzeit laut Radroutenplaner NRW.

Um 7.30 Uhr Aufstehen, 8.00 Uhr Frühstück. Das Frühstücksangebot ist klasse: Mit zig Sorten Käse, Wurst, Marmelade, Müslis, Quark- und Joghurtspeisen,frisches Obst, Brot und Brötchen beginnt unsere Bergetappe. Hier im Sauerland regnet es wirklich quasi jeden Tag. Auch heute. Allerdings nur ein ganz ganz bisschen. Da es nicht kalt ist, lassen wir das Regenzeug griffbereit aber eingepackt. Nach ein paar Metern hört dann der Regen auf. Nette 21° C, bedeckter Himmel und leichter Rückenwind lassen uns hoffen.
HallenbergDer Radroutenplaner NRW verspricht Schotter und Steigungen von über 12 %. Nichts dergleichen. Der Weg ist durchgehend asphaltiert und steigt bis Züschen sanft an. Dann in Züschen ein kurzes Stück sehr steil hoch, dann fahren wir auf einem super ausgebauten Radweg stetig und beständig aufwärts bis Winterberg. Häufig können wir die Straße, die wir sonst mit dem Auto befahren, sehen. Wir sehen, wie sich PKW und LKW die Serpentinen hoch quälen. Nach einer guten Stunde sind wir in Winterberg. Geht doch.

Tachostand Winterberg:

Fahrzeit seit Marburg ca. 4:50 h
Durchschnitt (ohne Pausen) 14,1 km/h
Streckenlänge 68,178 km
Höchstgeschwindigkeit 34,7 km/h

Nach der kurzen Kaffeerast suchen wir den Ruhrtal-Radweg. Ab sofort rollen wir nur noch. Nö.
WinterbergNach einer weiteren ordentlichen Steigung in Winterberg fahren wir zur Ruhr-Quelle. Die sehen wir auch immer, wenn wir mit dem Auto nach Marburg fahren. Hier sehen wir das erste Mal eine nennenswerte Menge an Radfahrern/Radwanderern. Zunächst rollen wir das Ruhrtal abwärts und freuen uns. Die Temperatur steigt jetzt deutlich an, locker über 30° C. Nur in den Waldpartien ist es etwas kühler Dabei haben wir zudem auch noch stetigen merkbaren Gegenwind.

Der Ruhrtal-Radweg möchte den Radwanderern viel zeigen und daher fahren wir immer wieder kleinere Steigungen hinauf, um dann wieder runter zu fahren. Dabei kreuzen wir sowohl die Ruhr als auch die Bundesstraße und fahren durch die uns bekannten Dörfer: Niedersfeld, Wiemeringhausen, Assinghausen und schließlich Olsberg. Die Dörfer im Sauerland unterscheiden sich nur im Fachwerkbau und der Dacheindeckung von denen in Hessen. Die Fahrt nach Süden ist geschafft. Ab jetzt führt uns der Weg nach Westen, in Olsberg entlang der Ruhr durch die gesamte Stadt. Dabei wird die Innenstadt ausgespart. Unter Bäumen legen wir eine Rast ein: Wasser, Äpfel, Mandeln und so weiter. Hinter Olsberg fahren wir ein ganzes Stück an der Straße auf einem Radweg. Wir passieren Nuttlar und Bestwig.
BestwigDann taucht der Autobahnzubringer der A 46 auf. Der Radweg schlängelt sich beharrlich auf und ab Richtung Meschede. Hier trinken wir in der Mittagshitze unseren zweiten Kaffee. Weiter geht’s. Noch läuft es, sodass wir beschließen, erst einmal weiter zu fahren ohne uns festzulegen, wo wir denn übernachten werden. NeheimDie kleinen Ortsteile und Dörfer sind uns bislang fremd.

Am späten Nachmittag in Arnsberg buchen wir ein Ibis-Hotel in Neheim und fahren wieder eine Weile in einer wunderschönen Schleife an der Ruhr entlang. Die Hitze macht uns nun doch kräftig zu schaffen. Kurz vor dem Hotel wird es langsam etwas viel. Total erschöpft, durstig, hungrig und stolz erreichen wir Neheim. Unser Hotel liegt an der Möhnestraße. Wir sind nicht die ersten Radwanderer die einchecken und auch nicht die letzten. Nach einer Erholungspause, dem notwendigen Duschen und Trinken, laufen wir durch das kleine schmucke Örtchen.

An der Rezeption hören wir, in Arnsberg gäbe es Kultur und Geschichte, in Hüsten würde das Geld verdient und in Neheim kaufe man ein. Eine nahe Pizzeria (Pronto Pronto) wird unser Ziel. Abends im Hotelzimmer merken wir, dass das Zimmer keine Klimaanlage hat und dass es, wenn die Fenster geöffnet werden, laut ist und die Mücken surren: Läuse oder Flöhe also. Erst Fenster auf, dann zu, dann wieder auf und wieder zu.

Tachostand Neheim:

Fahrzeit seit Marburg keine Angabe: Der Tacho hatte in Meschede in der Sonne gelegen und wohl einen Sonnenstich bekommen
Durchschnitt (ohne Pausen) seit Marburg 15,1 km/h
Streckenlänge 153 km
Höchstgeschwindigkeit 45,8 km/h

Etappe 3, Samstag 18.07.2015:
Von Neheim bis Münster, ca. 90 km, längste Steigung am Stück rund 80 m, 5:30 h bei 15 km/h reine Fahrtzeit. 317 Höhenmeter
Um 8.00 Uhr sind wir etwas müde und erschöpft aufgestanden. Durchgeschlafen hatten wir nicht. Schaffen wir es bis nach Münster? Rund 90km? Na ja, erst einmal frühstücken. Das Frühstücksangebot wie in allen Unter-Mittelklasse Hotels: Etwas Käse, Wurst, Marmelade, Müsli, Quark, Eier in unterschiedlichen Varianten dazu Brot, Brötchen und Gebäck. Alles in allem OK. Nach dem Packen starten wir. Nur noch wenige Höhenmeter hochfahren und viele Meter flach fahren. Das Wetter verspricht nicht ganz so heiß zu werden, angesagt waren „nur“ 22° C, aber weiterhin beharrlich mit Gegenwind. Die ersten Kilometer fahren wir gemächlich an der Ruhr entlang, die immer breiter wird und doch noch sehr naturnah ist. Schlingernd und ohne sichtbare Uferbefestigungen, mal langsam gleitend, mal mit minimalen Stromschnellen, dazu gibt es auch Stellen mit Bäumen im Fluss und Altarmen. Sehr idyllisch. Und dann tauchen Trampeltiere auf einer Wiese auf. Nach den Alpakas jetzt Trampeltiere.
WickedeIn Wickede an der Ruhr verlassen wir den Ruhrtal-Radweg und müssen wieder mehrere Zehner von Metern hoch fahren, ab Dreihausen geht es dann erst wieder bergab.

Spätestens jetzt ändert sich die Landschaft erneut. Statt kleiner Äcker, Wiesen und Wälder, die vom Realerbrecht stammen oder sich im Sauerland aufgrund der steilen Landschaft ergeben, herrscht jetzt das Anerbenrecht vor. Große Äcker, ausgeräumte Landschaft. Getreide, Mais, Raps. Hier und da mal eine Waldparzelle und große Bauernhöfe. Wir fahren auch nicht auf Radwegen parallel zu Hauptstraßen oder eher Feldwegen, sondern auf fast unbefahrenen Wirtschaftswegen. Samstagmittag in den Sommerferien haben die Daheimgebliebenen anderes zu tun, als auf Wirtschaftswegen mit Autos herumzufahren. Glück für uns. Fast ungestört können wir bei moderatem Tempo radeln. Blöderweise hat der Wettergott unrecht und es ist anders als angekündigt wieder sonnig und heiß. Auch der Wind weht beharrlich weiter aus Nord bis West.
Nähe HammSeit wir den Ruhrtal-Radweg verlassen haben, müssen wir mehr auf den Weg achten. Hierzu hatte Micha die gesamte Route aufs Handy geladen und wir fahren nach GPS und großräumigen Hinweisen. Wir passieren Hemmerde, Flierlich, sehen einen Hinweis „Moskau noch 2 km“, schmunzeln, weiter geht es nach Westböhnen und bald sind wir in Hamm. Die Durchfahrt durch Hamm dauert ewig. Allerdings fahren wir nicht durch die Innenstadt, sondern werden auf Radrouten geschickt aber im gefühlten Zickzack durch die Stadt geführt. Nähe Hamm-Heessen ist unser letzter Anstieg (ausgenommen Bahn- oder Straßenübergänge).

Spätestens jetzt haben wiDrensteinfurtr das Münsterland erreicht. Ab sofort gibt es in allen Ortschaften Bahnhöfe mit Zugverbindungen, die und uns direkt nach Hause fahren könnten.

Um 14.30 Uhr trinken wir in Drensteinfurt Kaffee. Der Kuchen im „Tankstellen-Café“ (Nahe am Bahnhof) schmeckt lecker und günstig ist er auch noch. Gestärkt geht es weiter. Auch in Rinkerode denken wir nicht ans aufhören, wenngleich der Hintern ordentlich weh tut. Stattdessen planen wir das Abendessen zu Hause: Grillen. Jetzt nur noch durch die Hohe Ward an den Hiltruper Seen vorbei zum Dortmund-Ems-Kanal. Gas geben, wir wollen ja noch einkaufen. Pünktlich um kurz nach 17:00 Uhr gehen wir in den Supermarkt an der Warendorfer Straße, kaufen unser Grillgut ein und fahren auf dem gewohnten Weg nach Hause. ….

Tachostand Münster:

Fahrzeit seit Marburg keine Angabe
Durchschnitt (ohne Pausen) 15,1 km/h
Streckenlänge 243 km
Höchstgeschwindigkeit 45,8 km/h