Island 2015

Feuer und Eis, Sonne und Sturm

Island

Karte mit unserern Übernachtungsorten

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Island das Land unserer Träume. Schon als Kind habe ich bei Oma ein Bild aus dem Buch der Weltwunder über den Geysir gesehen. Geysir für mich damals unerreichbar und wunderschön. Dort wollte ich schon immer hin. Dort spuckt die Erde heiße Wasserfontänen und noch vieles mehr.
Im Frühsommer 2015 war es dann soweit: Unsere Reise nach Island. Im Vorfeld hatten wir ein Wohnmobil gemietet und den Flug gebucht. Unser Ziel: Die Ringstraße N1 mit einigen Abstechern, rund 2000 km in 12 Tagen. Pro Tag sind das rein rechnerisch ca. 167 km, bei einer Maximalgeschwindigkeit von 80 km/h, also grob zwei Stunden Fahrt am Tag. Machbar. Oder? Nein, wir waren deutlich länger unterwegs und froh, dass wir zwischendurch mal einen Kaffee trinken konnten.

Samstag 30.06.2015: Der Abflug in Frankfurt mit Islandair gestaltet sich etwas langwierig. Einsteigen und warten. Dann endlich sind wir, ca. 45 Minuten zu spät, in Keflavík. Auf einem großen Zettel, mit dem uns eine junge Frau begrüßt, steht unser Name und wir werden in ca. 10 Minuten zu unserem Wohnmobil gefahren. Dort sehen wir uns ein Video über Wohnmobile an und lernen es kennen: Tanken, Frischwasser, Altwasser, Fäkaltank, Gas, Strom und so weiter. Anschließend gibt es eine Wohnmobilabnahme, die wir unterschreiben müssen. Wir bescheinigen, dass das Fahrzeug, bis auf eine winzige Macke, auf die uns die Vermieterin hingewiesen hat, tadellos ist. Mal sehen, was da später beim Abgeben herauskommt. Danach haben wir uns weiter informiert: Das Fahrzeug hat Sommerreifen, ach so, ab 15 m/sec Windgeschwindigkeit keine Fahrerlaubnis, aha. Mit Wind hatten wir gar nicht gerechnet. Verdrängt hatten wir wohl auch als Geografen die Island-Tiefdruckgebiete, die immer in Mitteleuropa die Wochenenden mit Wind und Regen stören. Und jetzt sind wir mitten in dieser Wetterküche. Und 15 km/sec – das ist schon ordentlich (29 Knoten, 54 km/h oder auch Windstärke 7 – steifer Wind, See türmt sich auf, Bäume schwanken in Windrichtung, beim Gehen merkt man es deutlich – fast schon ein Sturm).
Und dann geht es richtig los: Die ersten paar Kilometer mit einem Wohnmobil bis an den Südwestzipfel Islands. Vorher kaufen wir etwas ein. Teuer, aber OK, so in etwa wie in einem deutschen Ökoladen. Der Laden ist eher niedlich und spärlich bestückt, dennoch finden  wir alles, was wir brauchen. Unser Campingplatz in Garður ähnelt eher einer Wiese neben einem Parkplatz mit Toiletten und Waschbecken. Dafür aber traumhaft gelegen am Leuchtturm, nahe am Meer. Der Wind hat zwischenzeitlich etwas zugenommen, gefühlt sicherlich fast 15 m/sec Wind. Unser Gefährt wackelt, die Zwangslüftung pfeift und es regnet leicht. Aber ansonsten ist es seeeeehr schön. Nachdem alles verstaut ist, die Koffer ausgeräumt, kochen und essen wir. Danach schalten wir die Heizung an und schlafen ein.

Sonntag 31.05.2015: Am Morgen gehen wir direkt ans Wasser und nach dem Frühstück fahren wir los. Leider können wir nicht bezahlen, da kein Campingplatzpersonal zu sehen ist. Auch gibt es keine Box für den Geldeinwurf.
Fast schon selbstverständlich nutzen wir unsern treuen Begleiter, das gemietete Tablet und öffnen die drei wichtigen Apps bzw. Seiten:

  • Veður, die Wind-App, hier kann man für jeden Ort aktuell den Wetterbericht erfahren (sehr genau aber auch häufig wechselnd (das Programm ändert häufig seine Meinung bei der Vorhersage),
  • die Straßenzustandsseite mit aktuellen Windgeschwindigkeiten. Eigentlich „Das Programm“ für die Straßenberichte (vegagerdin wird alle 10 Minuten aktualisiert!) und
  • das Navi wenngleich man sich auf der Ringstraße eigentlich kaum verfahren kann.

Alles was wir zunächst möchten, ist uns an das Fahrzeug gewöhnen und ankommen. Leider, und dass muss man auch mal sagen, werden die Sehenswürdigkeiten meist erst direkt an der Abbiegespur bekannt gegeben, daher haben wir hin und wieder etwas verpasst. Gerade am ersten Tag. Allerdings gibt es auch keine Riesenwerbungen an den Straßen, die das Landschaftsbild zerstören würden. Am Nachmittag kommen wir dann, nachdem wir uns an der Fahrzeug schon recht gut gewöhnt haben, in Gullfoss an.

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Auf dem Weg sehen wir uns die Brücke der Kontinente an, bei Hafnir sehen wir unseren ersten Schwefeldampf und unseren ersten Vulkankrater „Kerið“ mit Kratersee, den wir zu Fuß umrundet.
Die Brücke der Kontinente verbindet sozusagen Europa mit Amerika. Am mittelatlantischen Rücken driften die beiden Kontinentalplattengrenzen auseinander. Island ist hier quasi entstanden. Heiße Materie aus dem Erdinneren dringt nach oben. Als Vulkane oder als heiße Quelle, als Raucher oder als Geysir. Die Vulkane füllen die entstandenen Spalten mit Material. In Island gibt es mehrere Geothermalgebiete. Dort kocht sozusagen die Erde. Solfataren, schweflige Schlammkessel dampfen und zischen, dabei riecht es etwas unangenehm nach faulen Eiern, so auch bei Hafnir.

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Kerið ist zuletzt vor ca. 5000-6000 Jahren ausgebrochen. Die Lava (isländisch „hraun“) dieses Vulkanfeldes bedeckt ein Gebiet von rund 50 km² (ca. 1/6 der Fläche der Stadt Münster). Der See hat sich durch Grundwasser gebildet und zeigt den Grundwasserspiegel an; es handelt sich nicht um einen Explosionskrater.
Zudem gibt es unter Island auch noch einen „hotspot“, der sorgt auch noch für die entsprechenden seismologischen Aktivitäten. Also: Nur nicht nervös werden.

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Und nun zu Gullfoss. Es ist der berühmteste Wasserfall auf Island, auch der goldene genannt. Uns zeigt er sich sehr windig. Unglaubliche Wassermassen stürzen in zwei Kaskaden in eine Schlucht, insgesamt ca. 70 Meter tief. Dass wir den Wasserfall genießen können, liegt an der Bäuerin Sigríður Tómasdóttir, die 1920 hartnäckig den Wasserfall schützte und so den Bau eines Staudamms zur Gewinnung von Elektrizität verhinderte. Leider ist es derart windig,  dass wir uns entschließen, nicht dort oben zu übernachten. Wir ziehen wir uns ein paar Kilometer zurück zum Gebiet der Geysire bei Laugarfjall. Die heißen Quellen sind leicht zu erreichen. Geysir, so der Name des größten Geysiers Inlands, der leider aufgehört hat regelmäßig seine Wasserfontäne zu blasen. Dafür ist Strokkur sehr aktiv (ca. alle 10 Minuten). Trotz des starken Winds haben wir es gemütlich, im Gegensatz zu den Zelt-Campern. Nachts färbte sich der Himmel rot – hier backen die Elfen abends (nachts) Plätzchen. Mit nachts meine ich die wenigen Stunden der Dämmerung zwischen Sonnenuntergang und -aufgang.

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Montag 01.06.2015: Eine Windwarnung per SMS hat uns etwas verunsichert, die Internetseite zeigt 14 m/s. Zunächst haben wir uns ausführlich die Geysire angesehen und bestaunt. Little Geysir, der Kleine, der kaum aus seinem Loch spucken konnte und Strokkur – der gemeine, der Micha bei starkem Wind „bespuckt“ hat.

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Alle paar Minuten verschwindet das Wasser für einen kleinen Augenblick, danach bäumt sich das kochende Wasser auf und schießt mit zu einer bis zu 35 Meter hohen Fontäne aus seinem Loch. Je nach Windrichtung wird man leider nass.
Nach reiflichem Überlegen fahren wir trotz starkem Wind los. Vorsichtig und unsicher. Die Unsicherheit nimmt stetig zu. Unterwegs sehen wir ein Campingmobil auf der Seite, Augenscheinlich ist es auf gerader Straße umgekippt. Also ist  die Warnung des Vermieters doch ernst nehmen. Nach ein paar Kilometern kommen wir dann zu der Kirche Skáholt und besichtigen dort neben der Kirche eine Ausgrabungsstätte, den Friedhof und ein kleines Museum.

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Nach einem Spaziergang trinken wir noch Kaffee (Tee, Kaffee und 2 Kuchen 16 € mit Selbstbedienung aber lecker). Skáholt war zwischen rund 1.000 und 1797 Bischofssitz in Island, wurde durch ein Erdbeben zerstört und als dann nach Reykjavik verlegt. Nachdem wir den Anschein haben, dass der Wind etwas weniger wird, fahren wir nachmittags weiter. Wir erreichen erstmals die wichtige Straße N1 bei Selfoss und fahren diese in Richtung Osten. Die Landschaft ist im Süden recht gleichförmig. Rechts eine riesige Ebene, Schwemmland, in schwarzer Lava mäandrierende Flüsse, dazwischen Gras. Links hügelig und wir fahren gefühlte Stunden einem vergletschertem Berg entgegen, dem Eyjafjallajökull.
Die Eiskappe des Eyjafjallajökull bedeckt etwa eine Fläche von 78 km² (ca. ¼ der Größe Münsters). Mit dem Namen Eyjafjallajökull wird nicht nur der Gletscher bezeichnet, sondern auch der unter dem Gletscher liegenden Vulkan. Der Name wurde bekannt, weil der unter dem Gletscher liegende Vulkan 2010 in die Schlagzeilen gekommen ist. Der Ausbruch im März 2010 hat den Flugverkehr über Wochen behindert. Der Flugverkehr in Nord- und Mitteleuropa musste für mehrere Tage eingestellt werden, weil die Aschewolke für Flugzeuge gefährlich wurde.

Seljalandsfoss

Nach einer Weile gelangen wir zum Wasserfall Seljalandsfoss. Der Wasserfall ist 66 Meter hoch. Besonders schön ist es, hinter dem Wasserfall entlang zu laufen und diesen von hinten anzusehen. Durch den Wasserschleier schaut man weit in die sehr ebene Landschaft. Wir fahren weiter und erreichen kurze Zeit später abends einen weiteren berühmten Wasserfall, den Skógafoss.

Seljalandsfoss

Auch der Skógafoss liegt im Gebiet des Eyjafjallajökull.
Mit einem Blick auf den schönen Wasserfall übernachten wir. Auch hier ist es noch sehr windig. Der Fluss Skóga fällt 60 Meter tosend abwärts. Es handelt sich um eine ehemalige Küstenlinie – ein Steilabfall -, die sich im Laufe der Zeit verschoben hat.

Dienstag 02.06.2015: Am nächsten Morgen erklimmen wir den Wasserfall bzw. die Anhöhe nebenan und unternehmen noch eine kleine Wanderung durch die Skogaheidi.

Skóga-Tal

Es handelt sich hier um einen berühmten Treckingpfad, den Laugarvegur. Das Tal der Skóga ist allerliebst. Überall Stromschnellen, kleine und größere Wasserkaskaden, kleinere Wasserfälle, dicke Steine und das Gefühl, dass es in Island doch Elfen gibt. Die Landschaft ist grandios. Unterwegs pfeift der Wind so heftig, dass wir hin das Gefühl haben, fast weggeblasen zu werden. In der Ferne ist der berühmte Gletscher mit Schneeverwehungen und kaltem Fallwind zu sehen. Nachdem es anfängt, leicht zu schneien und der Wind immer stärker wird, kehren wir um und und gehen ins Freilicht-Museum um die Ecke. Der Ort Skógar ist winzig, dennoch gibt es hier Museen. Im Freilichtmuseum können wir Häuser aus vergangener Zeit besichtigen, darunter Fischerhäuser, eine Kirche, ein Herrschaftshaus, eine Schule und winzige Elfenhäuschen. Danach fahren wir weiter.
Stundenlang fahren wir bei starkem Wind durch die riesigen Ebenen Myrdalssandur, Eldhraunebene und Skeidarársandur. Immer wieder richten wir den Blick auf die Wind-App. Zusätzlich gibt es auch Anzeigetafeln in manchen Orten, welche die Windgeschwindigkeit anzeigen. Unterteilt werden die Ebenen durch unzählige Flüsse, die gemächlich in der schwarzen Asche mäandrierten. Entweder stürzt das Wasser die Berge hinab oder es fließt gemächlich durch weite Ebenen. Die N1 ist zwar gut ausgebaut und asphaltiert, jedoch sind mehr als die Hälfe aller Brücken nur einspurig befahrbar. Entweder besteht die Straße hier aus Holzplanken oder aus Metallplatten. Wer zuerst auf der Brücke fährt, darf fahren. Die anderen müssen warten.
In der Ferne sieht man den Vatnajökull, Europas größten Gletscher. Er ist immer linksseitig vor uns. Der Gletscher ist über 8.000 km² groß (das entspricht ca. ¼ der Fläche Nordrhein-Westfalens), ca. 500 m bis 800 m hoch und bedeckt ungefähr 8 % der isländischen Landfläche.

Reynisfjara

An der Südspitze Islands tauchen dann die „Steine im Meer“, die Reynisfjara, auf. Ein ausgiebiger Fotostopp und weiter geht es.

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Abends fahren wir auf den Campingplatz am Svinafell, eine Gletscherzunge des Vatnajökull. Endlich lässt auch der Wind nach.

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Mittwoch 03.06.2015: Die nächste Wetterkapriolen: Schnee und Eis im Osten bis zum Nachmittag, einige Straßen nicht befahrbar. Na dann. Erst mal zur Gletscherzunge Skaftafeljökul wandern. Leider haben die Gletscher auf Island in den letzten Jahren ca. 10 % ihrer Eismassen verloren. (Wenn alles weggeschmolzen ist, steigt der Meeresspiegel weltweit um 1 mm).

Gletscherzunge Skaftafeljökul

Nach einer Weile schauen und Landschaft bewundern, fahren wir durch die Ebene des Skeidarársandur weiter Richtung Osten. Und dann tauchen sie auf: die Eisblöcke, die gemächlich ins Meer driften.

Jökulsárlón

Die Gletscherzunge des Breiðamerkurjökull hat den Jökulsárlón, einen See gebildet. Hier dümpeln haushohe Eisblöcke friedlich herum. Leider – oder glücklicherweise – dreht sich hier gerade keiner. Wir würden sonst möglicherweise nass. Später driften die Eisblöcke gemächlich ins Meer. Dort „verenden“ sie in den Wellen des salzigen und kalten Wassers.

Jökulsárlón

Auf eine Fahrt mit einem Boot durch den See verzichten wir. Eigentlich wollen wir ja bis in den Osten kommen und dort auf einem Campingplatz übernachten.

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Wir fahren weiter, Fjord für Fjord, sogar eine Passage auf einer Schotterpiste. Leider finden wir keinen richtigen Campingplatz und campen daher wild.

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Kurz hinter Breiddalsvik bewundern wir dafür die „Rehe Islands“ die Rentiere. Einige Gruppen von je 10 bis 20 Tieren äsen friedlich neben der Straße. Zuvor in Djúpivogur können wir eine Arbeit des Künstlers Sigurður Guðmundsson bewundern, der aus unterschiedlichen Steinen 34 Vogeleier von in der Umgebung nistenden Vögeln nachgebildet hat. Wir verlassen die N1 und fahren auf die Straße N 96. In einer Parkbucht gegenüber dem Ort Stöðvarfjörður wird übernachtet. Zwischenzeitlich hat sich die Landschaft geändert. Wir sind nicht mehr in der Ebene sondern im Fjordland.

Donnerstag 04.06.2015: Nach einer etwas anstrengenden Nacht, etwas übermüdet, weil wir eine anstrengende Fahrt hatten, sind wir ein Stückchen den Berg hoch gewandert. Frühsport. Der Wetterbericht gibt Entwarnung: Die Straßen sollen passierbare sein mit Temperaturen zwischen 1 und 5 °C . Wir fahren unserem nächsten Ziel, der Region Mydal, entgegen. Zunächst geht es weiter an den Fjorden entlang, dann durch das Tal des Lagafljót (hier liegt der Ort Egilsstaðir) und dann aufs Fjell.

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Eine fast schier unendliche Hochebene, Schneefelder, Lavasand und Geröll. Im Hintergrund schneebedeckte Berge. Kein Strauch, kein Hof, kein Schaf. Nur Landschaft pur.

Sellfoss

Im Vorbeifahren sehen wir uns den Dettifoss und den Sellfoss an. Beide Wasserfälle sind nur eingeschränkt begehbar, weil hier oben noch etwas Schnee liegt. Daher fällt auch unsere geplante Wanderung leider aus, von hier sollte man zu einem wunderschönen imposanten Canyon und weiteren Wasserfällen gelangen. Na ja, beim nächsten Mal. Dettifoss, der stürzende Wasserfall, ist der leistungsstärkste Wasserfall Europas. Er hat 44 m Fallhöhe, ist rund 100 m breit und es fallen 200 m³ Wasser pro Sekunde mit lautem Getöse in die Tiefe. Und bei Sonne soll es hier immer einen Regenbogen geben. Wenn man etwas flussaufwärts geht, sieht man schon von weitem den Selfoss-Wasserfall. Er besteht aus lauter kleinen einzelnen Wasserfällen, die jedoch nur eine Höhe von 10 m haben.

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Am Abend erreichen wir die Myvatn-Region. Als erstes begrüßen uns einige Rauchsäulen. Bei näherer Betrachtung und einem ausgiebigen Spaziergang sehen wir dort ein riesiges Feld mit Solfataren. Das Gebiet gleicht einer Mondlandschaft. Nach faulen Eiern (Schwefelwasserstoff) und Schwefeldioxid riechende, blubbernde, zischende Schlammtümpel, kleine Krater, aus denen stinkender Rauch pfeifend entwicht, beißender Gestank überall, aber grandios anzusehen: Das Námaskard-Gebiet.

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Auf unserem kurzen Spaziergang sehen wir uns das Gebiet von oben an und fotografieren ausgiebig. Von oben konnten wir auch schon den stahlblau schimmernden See Myvatn sehen. Vor dem eigentlichen See sind wir an einem künstlichen aussehenden See vorbeigekommen: giftblau, trüb und dampfend. Schön anzusehen, aber nicht zum Baden einladend. Es handelt sich um ein Kieselgurwerk. Fossile Kieselalgenreste wurden hier zu einem wichtigen Rohstoff verarbeitet.

Myvatn

Myvatn bedeutet Mückensee. Und der Name hat es in sich. Kaum am Campingplatz angekommen, ist unsere Windschutzscheibe voller Mücken. Die warten schon auf Nahrung. Aber nicht auf uns. Mit Blick auf den wunderschönen See übernachten wir in Reykjahlíð. Der See ist besonders bei Vogelliebhabern sehr beliebt, er ist rund 40 km² groß und nur bis rund 4 Meter tief.

Freitag 05.06.2015: Ein echtes Erlebnis ist das Duschen. Die Duschen sind kostenfrei, es gibt für den gesamten Campingplatz nur drei. Dafür sind sie sauber und sehr warm. Das Wasser richt jedoch extrem nach faulen Eiern. „Natürlich“ sozusagen.

Krafla

Nach dem Duschen unternehmen wir als erstes zwei kleine Wanderungen rund um Vulkankrater, die noch aktiv sind: Das Krafla-Gebiet: Es liegt rund 20 km vom See entfernt in Richtung Osten. Der Vulkan ist zuletzt 1975 bis 1984 ausgebrochen. Zunächst fahren wir an einem großen Geothermalgebiet, in dem Erdwärme gewonnen wird, vorbei. Dort kann man ebenfalls die Rauchsäulen und die Gerüche wahrnehmen. Zudem gibt es dort oben ein Kraftwerk. Die Gebäude sehen eher wie Expeditionskuppeln und einfachste Arbeitersiedlungen aus; derartige Architektur hätten wir in Spitzbergen oder in der Antarktis vermutet. Nun ja, vielleicht sind sie ja so funktionell, vor allem im Winter, wenn dort viel Schnee liegt.

Mit dem Wohnmobil fahren wir auf einen Parkplatz und umrunden direkt den Vulkankrater. Der tief liegende Kratersee ist fast gänzlich zugefroren. Die Erde auf dem Weg ist etwas aufgeweicht und das feine Material (Vulkanasche) klebt an den Wanderschuhen. Dennoch gehen wir weiter um die grandiose Bergwelt rings um uns zu bewundern. Neben dem  Parkplatz liegt noch ein Schneefeld zum Schuhe säubern. Leid tun mir einige Bustouristen. Sie dürfen nur einmal kurz aussteigen, auf eine Infotafel schauen und „zack“, zwei Minuten später, fährt der Reisebus auch schon weiter. Seele baumeln lassen und Natur genießen, dafür haben diese Touristen keine Zeit.

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Wir fahren ein paar Minuten weiter bis zum nächsten Stopp und zum nächsten Spaziergang. Hier gibt es, nachdem wir durch Tiefschnee marschieren, wieder Schlammtöpfe zum bestaunen. Zudem können wir man auf markierten Wegen durch das hochaktive vulkanische Gebiet wandern. Das wiederum haben nur die wenigsten Besucher gemacht. Einfach klasse.

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Unser nächster Stopp liegt an einer kleinen Höhle mit warmen Thermalwasser, die Grjotagjá. Die kleine Höhle war früher ein beliebter Badeort. Leider ist die Höhle aufgrund vulkanischer Aktivitäten nicht mehr nutzbar, weil sie einsturzgefährdet und das Wasser zum Baden zu warm ist. Das Herumklettern hat Micha leider eine Schürfwunde samt Beule beschert. Glücklicherweise nichts Ernstes. Danach fahren wir, immer noch am Myvatn, in das Dimmuborgir Gebiet.

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Das Lavafeld sieht aus, wie aufgetürmte endzeitliche dunkle Burgen, Türme und Ruinen. Zudem ist es dort sehr trocken und durch den ständigen Wind ein Erosionsgebiet. Hier gibt es sehr gut ausgebaute Wege, die durch das besondere Lavafeld führen. Die bizarr geformten Steinformationen dienen als Wohnort für 13 „Weihnachtstrolle“.

Pseudokrater

Nachdem wir uns im Vorbeifahren noch ein paar Pseudokrater ansehen, verlassen wir das Myvatn Gebiet in Richtung Akureyri. Die Pseudokrater sind entstanden, weil heiße Lava durch ein Feuchtgebiet floss. Der dabei entstehende Wasserdampf war in der Lava eingeschlossen und explodierte (phreatomagmatischen Explosion). Dabei durchstieß er die noch heiße Lava, und das zerkleinerte Material lagerte sich als um einen Krater herum ab. Das Ergebnis sieht wie ein echter Krater aus.
Auf der N1 nach in Richtung Akureyri möchten wir übernachten, finden jedoch keinen (schön gelegenen) Campingplatz. Daher fahren wir bis nach Akueri. Auf dem Weg dorthin sehen wir uns den Godafoss an.

Godafoss

Der Fluss Skjáfandafljót stürzt über einer Breite von rund 30 m12 m tief. Godafoss heißt Götterwasserfall. Eine Sage ist überliefert, nachdem im Jahre 1.000 n. Chr. die Christianisierung Islands beschlossen war, sämtliche heidnische Bilder in den Wasserfall geworfen, also vernichtet wurden. Vom Myvatn kommend parken wir linksseitig und laufen auf der nicht durch die Touristenbusse besuchte Seite. Die Busse parken auf der anderen Seite, dürfen aussteigen, ein Foto schießen und müssen schon weiterfahren, während wir gemütlich den schönen Wasserfall ansehen und genießen.
Abends in Akureyri fahren wir auf den Campingplatz. Für uns ist es bereits ganz schön spät. Nach uns kommt  noch eine Familiean die ganz offensichtlich zum Wochenende aus Reykjavík gekommen war. (Wir werden sehen das Auto, ein Taxi, am folgenden Sonntag gegen Abend kurz vor Reykjavík wieder). Papa und Mama bauen das Zelt auf, ein Kind springt im Schneeanzug umher und die jugendliche Tochter telefoniert mit dem Handy und schminkte sich ausgiebig im Auto.

Samstag 06.06.2015: Akureyri, die Hafenstadt ist die viertgrößte Stadt in Island. Sie hat rund 18.000 Einwohner, liegt im Süden eines langen Fjords und ist von schneebedeckten Bergen eingerahmt. Die Bergrücken haben alle die gleiche Höhe, hier grüßt die Eiszeit, als ganz Island noch von Gletschereis bedeckt war. Am Vormittag sehen wir uns in der City ein wenig um. Die imposante Kirche können wir leider nicht von innen bewundern, da hier gerade ein Gottesdienst gefeiert wird.
Akureyri liegt ca. 100 km südlich des Polarkreises, hat viele Einkaufsmöglichkeiten, Souveniershops und eine Bäckerei. Dort kaufen wir leckere Stückchen für später und in einem Mix aus Buchhandlung und Cafe trinken wir Kaffee. Am Nachmittag fahren wir dann weiter. Noch am Fjord machen wir an einer Ausgrabungsstätte Pause. Auf unserem Weg sehen wir uns noch Islandpferde an.

Islandpferd

Hier in Island leben die echten und reinrassigen Isländer. Sie dürfen wohl das Land verlassen, aber, um die Pferderasse rein zu halten, nie wieder zurück. Die Fellfarben sind unterschiedlich, von hellbeige über braun bis grau. Mal etwas längeres Haar, mal einen buschigen Schweif, dann gibt es wieder Tiere, die gescheckt sind. Durch die Vielfalt der Farben verschmelzen sie manchmal mit ihrer Umgebung. Sie leben auf großen Weiden in kleinen oder größeren Herden gemeinsam. Das Museum Glaumbær, welches auf dem Weg liegt, können wir leider aufgrund der fortgeschrittenen Zeit nur noch von außen besichtigen. Es handelt sich um ein Gehöft, welches heute ein Freiluftmuseum ist. Im 11. Jhd. lebte in den Torfhäusern eine Kaufmannsfamilie, die durch Walrosselfenbein reich wurde. Die heute zu besichtigenden Torfhäuser sind rund 200 Jahre alt.
Abends kommen wir in Sauðarkrókur auf dem Campingplatz an.

Sonntag 07.06.2015: Die Lage des Campingplatzes ist sehr zentral, direkt in der Stadt gegenüber vom Rathaus. Die Stadt mit rund 2.500 Einwohnern ist wieder an einem Fjord gelegen und lebt hauptsächlich vom Fischfang und der Fischverarbeitung.

Stockfisch-Köpfe

Der Fischereihafen lädt uns zur Besichtigung ein. Hier sehen wir Holzgestelle, an denen Fischköpfe getrocknet werden (Stockfisch). Eine Infotafel erklärt, dass der an der frischen Luft trocknende Stockfisch der Beste sei. Der dort von der einheimischen Firma produzierte Stockfisch ist laut Infotafel hauptsächlich für den Verkauf in Nigeria gedacht und wird dort auf Märkten verkauft. Erstaunlich, dass die Isländer für Nigeria Stockfisch produzieren! Globalisierung sei Dank. Leider erhalten wir erneut eine Wetterwarnung. In die westlichen Fjorde solle man besser nicht fahren und für die gesamte Insel ist ein Sturm angekündigt. Und das bedeutet: Fahrverbot am kommenden Tag. Daher entschließen wir uns direkt nach Reykjavík zu fahren und dort den stürmischen Tag zu verbringen.

Montag, 08.06.2015: Reykjavík, Hauptstadt Islands, ist die nördlichste Hauptstadt der Welt und beherbergt inkl. Umgebung nur knapp über 200.000 Einwohner. Reykjavík empfängt uns gleich am Morgen mit Nieselregen. Dennoch laufen wir an der Promenade entlang vom Campingplatz in das Stadtzentrum.

Reykjavík

Zuerst sehen wir natürlich die Hallgrimskirkja. Es handelt sich hier um eine junge Kirche, die erst 1986 (nach rund 40 Jahren Bauzeit) eingeweiht wurde. Sie steht auf einem Hügel und ist damit eine gute Landmarke. Zudem ist sie fast das höchste Gebäude Islands. Immerhin ist der Turm rund 75 Meter hoch. Die Architektur der Kirche spielt mit der Landschaft. So ähnelt der graue Beton Basaltsäulen und die Kirchenfenster sind glasklar und lassen Tageslicht hinein. Unweit der Kirche sind etliche Ateliers und Souvenirshops untergebracht. Dazu auch „normale“ Läden. Direkt neben dem Hafen steht das 2011 eröffnete Konzerthaus mit dem Namen Harpa. Die Glasfassade inspiriert zu unzähligen Fotos. Auch innen ist Harpa sehr gelungen, klare schlichte funktionelle und schöne Architektur. Das befand auch die EU für zeitgenössische Architektur, die Harpa 2013 mit einem Preis auszeichnete. Der Hochseehafen, der fast die gesamte Seeseite einnimmt, beherbergt gleichzeitig auch die Marine Islands. Hier in Reykjavik essen wir den teuersten Kuchen unseres Lebens. Den Preis von ca. 8 € pro Person zuzüglich Kaffee mal ausgeblendet, essen wir Schokoladenkuchen mit Sahne, nett dekoriert und lecker. Zudem besichtigen wir das Museum Hafnarhús. Die Ausstellungen sind recht interessant, die Architektur Klasse. Es handelt sich um ein ehemaliges Gefängnis und dies wurde baulich mit den Anforderungen eines modernen Museums verknüpft.

Dienstag, 09.06.2015: Morgens hat sich der Wind gelegt und brechen in Reykjavik auf und fahren zum Þingvellir-Nationalpark. Þingvellir ist für die Isländer doppelt bedeutsam: zum einen zeigt sich hier das Grabensystem mit Verwerfungsgrenzen, zum anderen wurde hier die Republik Island ausgerufen. Þing (Thing) bedeutet „Volksversammlung“ und „völlur“ bedeutet Feld oder Ebene (pl. vellir), also heißt Þingvellir „Ebene der Volksversammlung“. Ab 930 haben die Wikinger zwei Wochen jährlich im Juni dort eine gesetzgebende Versammlung, den Alping, abgehalten, zudem tagte dort auch das Gericht. Die Dänen lösten diese traditionelle Versammlung 1798 auf. Zudem wurde in Þingvellir 1000 n. Chr. die Zugehörigkeit zum Christentum beschlossen.

Þingvellir

Nach dem Besuch des Infozentrums, wandern wir von dort zu Fuß die amerikanische Seite des Spaltensystems entlang, und sehen uns den See angeschaut an. Gegen 17:30 Uhr wandern wir nochmals los, um zum See Þingvallavatn zu gelangen. Echt klasse. Wir müssen etwas aufpassen, denn der Weg führt durch das Spaltensystem und die Spalten sind gern mit Moos bedeckt und mitunter mehrere Meter tief. Gegen 21:00 Uhr sind wir zurück am Wohnmobil.

Þingvellir

Mittwoch, 10.06.2015: Mit dem Wohnmobil fahren wir zur „Wasserspalte“ Nikulasargja. Dort kann man mit Tauchschein durch eine Spalte tauchen. Wir schauen nur von oben und bewundern die durch das klare Wasser recht gut sichtbare Unterwasserwelt. Wir fahren auf die „europäische Seite“ des Spaltensystems und dann weiter zum Hvalförthur. Der Wal-Fjord ist rund 30 km lang. Steile Berge säumen die wenig befahrene Straße. Am Ende des Fjords biegt eine Schotterstraße zu einem Wanderparkplatz ab. Von dort wollen wir zum Wasserfall Glymur wandern. Glymur war bis 2011 mit 196 Metern als der höchste Wasserfall in Island bekannt. (Heute gilt als höchster Wasserfall der Morsárfoss mit etwa 227 Metern im Vatnajökull-Nationalpark, versteckt gelegen und schwer zu erreichen). Auch Glymur ist nicht ganz einfach zu erreichen. Nach ca. 30 Minuten sollen wir an einem Metallseil den reißenden Fluss Botsná auf einigen Steinen und einem Holzstamm queren. Alternativ versuchen wir sind an der andern Berg weiter hochzugekraxelt, brechen jedoch im Dickicht irgendwann ab. Unsere Hosen sind total schlammig und wir etwas enttäuscht, weil wir nicht bis zum Wasserfall gekommen sind. Einige schöne Pflanzen entschädigen uns aber für die vergebliche Mühe.

Þingvellir

Am Abend geht des dann wieder Richtung Reykjavik. Wir übernachten in Mosfellsbær. Der Campingplatz ist schwer zu finden. Kein Wunder, wir sind die einzigen Gäste. Aber immerhin, es gibt fließend kaltes Wasser und zwei Toiletten. Spät Abends kamen noch ein PKW mit isländischen Campern und mit Kindern.

Donnerstag, 11.06.2015: Wir fahren noch einmal nach Reykjavik und sehen uns dort Perlan angesehen. Perlan ist ein Warmwasserspeicher. Von hier werden u.a. die Straßen beheizt, sodass kein Winterdienst nötig ist. Danach besichtigen wir das Rathaus mit dem Drei-D-Relief von Island am See Tjörnin. Am Hafen liegt ein Viermaster, der von Weitem sichtbarer ist. Es handelte sich um ein russisches Schulschiff, welches den 70 Jahre alten Sieg der Alliierten über Deutschland feiert. Am Nachmittag brechen wir Richtung Grindavik zu unserem letzten Campingplatz auf.

Gunnuhver

Auf dem Weg können wir unsere letzten vulkanischen Aktivitäten beobachten: Gunnuhver. Es handelt sich um einen aktiven Spaltenvulkan, ein weiteres Hochtemperatur-gebiet. Das Geothermalkraftwerk Suthurnes hatten wir bereits am ersten Tag angesehen und so schließt nun sich unser Kreis um Island.

Island

Freitag, 12.06.2015: Wir packen, putzen das Wohnmobil, entsorgen Abwasser und Müll und tanken. Anschließend fahren wir zum Vermieter. Die Rückgabe dauerte einige Zeit, da das Wohnmobil von allen Seiten betrachtet und durchgecheckt wird. Nachdem alles als in Ordnung befunden wird, werden wir zum Flughafen gefahren. Nach einer Extrarunde über den Taunus in Frankfurt landen wir und fahren mit dem Taxi zum Hotel in Niederrad.

Vorteile Wohnmobil: Heizung, kein Zelt aufbauen müssen, gepflegt im Sitzen essen, etwas Luxusgefühl, im Notfall auch mal nachts eine kurzen Weg zur Toilette haben.

Nachteile Wohnmobil: Windanfälligkeit, nicht im Gelände nutzbar.

Noch mehr Fotos gibt es im Fotoalbum.